Kompostierbare Plastiktüten?
Bitte nicht in die Biotonne!


Kompostierbares Besteck?
Bitte nicht in die Biotonne!


Kompostierbare Kaffeekapseln?
Bitte nicht in die Biotonne!


Warum kompostierbares Plastik nicht in die Biotonne gehört

Abbaubare Plastiktüten und Kunststoffprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen suggerieren einen nachhaltigen Kreislauf. Die Realität sieht häufig anders aus.

Kompostierbares Plastik ist ein Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Er besteht meist zu 20 bis 100 % aus Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr anstatt aus Öl. Die kompostierbare Plastiktüte und die vielen weiteren Produkte aus bio-abbaubaren Kunststoffen erwecken den Anschein, umweltverträglicher zu sein. Die Hersteller haben dafür ein eigenes europaweites Siegel geschaffen, das dem hier abgebildeten stark ähnelt. Nach den Prüfkriterien dieses Siegels müssen die Kunststoffe nach 12 Wochen bei 60° Celsius zu 90 Prozent desintegriert sein. Desintegriert bedeutet in diesem Kontext zerfallen in Teile, die kleiner als 2mm sind. Damit gilt das Ganze begrifflich noch immer als Mikroplastik. Nach maximal 6 Monaten (bei 60 ° Celsius) müssen kompostierbare Kunststoffe nahezu vollständig abgebaut sein. In den meisten industriellen Kompostierungsanlagen hat der Biomüll nur 4 Wochen sich zu zersetzen, oftmals zu wenig Zeit für den Abbau der kompostierbaren Tüten. Der Nachweis der Kompostierbarkeit der Beutel aus „Bioplastik“ erfolgt unter idealisierten Laborbedingungen. Diese stimmen meist nicht mit den realen Bedingungen in den Anlagen der Abfallwirtschaftsbetriebe überein.

 

Hier liegt das Problem:

Am Ende des Abbaus bleiben Wasser, Kohlendioxid und mineralische Zusatzstoffe zurück. Der besondere ökologische Nutzen „kompostierbarer“ Produkte liegt zunächst also darin, beim biologischen Abbau im Wesentlichen das Treibhausgas Kohlendioxid freizusetzten. Humusbildende Materialien, die das Ziel einer Kompostierung sind, werden nicht erzeugt. Selbst wenn der biologische Abbau in den üblichen Produktionszeiten der Bioabfallbehandlungsanlagen vollständig gelingen würde, gibt es ein weiteres Problem: In unseren Anlagen müssen Plastiktüten möglichst früh aus dem Produktionsprozess aussortiert werden. Technisch können herkömmliche Plastikprodukte nicht von „kompostierbaren“ unterschieden werden. Deshalb landen auch „kompostierbare Plastikbeutel“ meist in Müllverbrennungsanlagen und damit auch der wertvolle Inhalt mit den biologischen Abfällen. Aus diesem Grund sagen wir: Plastiktüten und auch kompostierbare Plastiktüten dürfen nicht in die Biotonne.

Warum gibt es überhaupt „Bio“-Plastik?

Kunststoffe sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie bringen viele Vorteile, stellen uns aber auch vor große Herausforderungen. „Bio“-Plastik ist ein Lösungsansatz für das wachsende Problem mit dem immer mehr werdenden Plastikmüll.

Wir nutzen Plastik für lebensrettende medizinische Geräte, für Lebensmittelverpackungen über Mobiltelefone bis hin zu Elektrofahrzeugen. Plastik ist kostengünstig produzierbar, stabil und robust. Per se sind das gute Eigenschaften. Aber genau diese Eigenschaften machen die Entsorgung des Plastikmülls so schwierig. Plastik verrottet nicht, es zersetzt sich im Laufe von vielen Jahren in immer kleinere Teile. Das bedeutet: Sobald das robuste Material in die Umwelt gelangt, entsteht ein Problem. Im Ozean schwimmen heute riesige Teppiche aus Plastikmüll. Das Mikroplastik (Teile, die kleiner als 5 mm sind) im Meer wird von Fischen und Vögeln für Nahrung gehalten und verschluckt. So landet das Plastik wiederum in unserer Nahrungskette. Noch haben wir keine Antwort auf die Frage, wie wir Plastik richtig und sorgfältig entsorgen können.

„Bio“-Plastik ist ein Lösungsansatz für das Problem mit dem Plastikmüll. Es besteht zu 20 – 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, meist Kartoffeln, Mais oder Zuckerrohr. „Bio“-Plastik zersetzt sich unter Laborbedingungen. Die Hersteller haben das Problem erkannt und versuchen mit „Bio“-Plastik biologische Kreisläufe zu simulieren.

Wo kann kompostierbares Plastik sinnvoll sein?

Heute bestehen bereits viele Produkte aus „kompostierbarem“ Plastik. Es gibt Müllbeutel, Kaffeekapseln, To-go-Becher und viele weitere Produkte. Wir haben uns die Frage gestellt, wo das Sinn ergibt und umweltfreundlich ist.

Biomüllbeutel

Küchenabfälle, insbesondere Essenreste, sind häufig nass und nicht sehr appetitlich. Deshalb werden sehr oft Plastiktüten für den Transport zum Abfallbehälter genutzt. Das herkömmliche Plastiktüten in der Biotonne nichts zu suchen haben, weiß jedes Kind. Deshalb landen auch heute noch sehr viele Küchenabfälle in der Restmülltonne. Da gehören sie aber nicht hinein. Gerade aus den Küchenabfällen können wir wertvolles Biogas gewinnen und hochwertigen Kompost produzieren. Der kompostierbare Biomüllbeutel ist deshalb per se eine gute Idee. Er könnte helfen, den Anteil des verwertbaren Bioabfalls in Bioabfallbehandlungsanlagen zu erhöhen und damit die Kreislaufwirtschaft zu optimieren. Die Beutel müssten sich in industriellen Anlagen innerhalb des Zeitraumes der Kompostierung von Bioabfällen (ca. 4 Wochen) vollständig zersetzen. In der Praxis ist das häufig leider noch nicht der Fall. Im Kompost sind kleine Teile der Beutel zu finden. Das liegt möglicherweise auch an den Anforderungen des Handels. So müssen die Beutel eine Lagerfähigkeit von 2 Jahres aufweisen.

Fazit:
Insgesamt braucht es Fortschritte in Handel, Industrie und Abfallwirtschaft, um kompostierbare Plastiktüten weiterzuentwickeln. Aktuell ist die Entsorgung noch ein Problem.. Unsere Aufgabe muss es sein, gemeinsam mit der Industrie und dem Handel Lösungen zu finden, damit der kompostierbare Müllbeutel der „Retter“ der Küchenabfälle werden kann. 

Besteck

Besteck aus Kunststoff ist aus unserer Sicht kein sinnvolles Produkt. Die Abbaubarkeit ist dabei zweitrangig, weil das Produkt per se Ressourcenverschwendung ist. Das normale Besteck aus der Schublade ist die richtige Wahl, auch für das Picknick im Park. Der Begriff „kompostierbar“ suggeriert, das Besteck könnte nach dem Picknick im Gras liegen bleiben. Das funktioniert leider nicht. Das Material, aus dem „kompostierbares“ Besteck überwiegend hergestellt wird, zersetzt sich nur unter genau definierten Laborbedingungen mit einer durchgängigen Temperatur von 60 Grad Celsius. Auf einer Wiese liegen normale Umgebungstemperaturen vor. Hier zersetzt sich das Material laut einem Gutachten zur Behandlung biologisch abbaubarer Kunststoffe des Umweltbundesamtes nicht (vgl. S. 91).

Fazit:
Besteck aus kompostierbarem Plastik ist keine sinnvolle Verwendung von „Bio“-Plastik. Das Produkt zersetzt sich nur unter Laborbedingungen, nicht bei 30 Grad. Laut gesetzlichen Regelungen ist es nicht erlaubt, solche kompostierbare Produkte in der Biotonne zu entsorgen. Also: Kompostierbares Besteck gehört nicht in die Biotonne.

Kaffeekapseln

Wir Deutschen sind leidenschaftliche Kaffeetrinker, immer häufiger werden nur einzelne Tassen anstatt einer ganzen Kanne gebrüht. Kaffeekapseln werden in diesem Kontext immer beliebter, verursachen aber ein enormes Müllproblem – gerade im Vergleich zu einer herkömmlichen Kaffeemaschine, die Kaffeebohnen oder gemahlene Bohnen verarbeitet. Der entscheidende Faktor ist laut eines Umwelt-Tests von Bayern 1 die Verhältnismäßigkeit von Produkt und Abfall: Die etwa sechs Gramm Kaffee, werden von etwa 4-5 Gramm Kapsel plus Umverpackung umhüllt.

Fazit:
Kaffeekapseln sind ökologisch betrachtet sinnfrei. Es handelt sich bei diesem Produkt um pure Ressourcenverschwendung. Die Müllmengen steigen und steigen. Das gilt auch für Kaffeekapseln aus „Bio“-Plastik, die entsorgt werden müssen. Laut gesetzlichen Regelungen ist es nicht erlaubt, kompostierbare Kaffeekapseln in der Biotonne zu entsorgen. Also: Kompostierbare Kaffeekapseln gehören nicht in die Biotonne.

Das Problem des kompostierbaren Beutels

Kompostierbare Plastiktüten verursachen derzeit teilweise noch Probleme für die Umwelt.

Diese zeigen sich bereits beim Anbau. Besonders der Abbau bereitet der Abfallwirtschaft Probleme. Im PLASTIKATLAS  2019  der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND werden folgende Probleme aufgezeigt:

Der Anbau

Für die Produktion landwirtschaftlich erzeugter „Bio“-Kunststoffe werden viele Ressourcen benötigt. Um den Rohstoff eines biobasierten Müllbeutels zu gewinnen werden Feldfrucht, Land und Wasser benötigt: Für eine Tonne des Rohstoffes Polyactic Acid (deutsch: Polymilchsäure; kurz: PLA) werden 2,39 Tonnen Mais, 0,37 Hektar Land und 2921 m³ Wasser benötigt. Mit zunehmender Produktion biobasierter Kunststoffe wird der Druck auf die Ackerflächen zunehmen. Schon heute führt das in einzelnen Regionen zu Wasserknappheit, Artensterben und zum Verlust natürlicher Lebensräume. Die Ausweitung des Anbaus von Agrarrohstoffen könnte neue Probleme für die Umwelt bringen.

Die Produktion

In der Produktion von „Bio“-Kunststoffen können entsprechend des Grundmaterials fossile Energien eingespart werden. Dazu muss man wissen, dass es zwei Kategorien von „Bio“-Kunststoffen gibt. Das Ausgangsmaterial sind die Agrarerzeugnisse Zuckerrohr, Mais und Kartoffeln. In großen Industrieanlagen werden die agrarerzeugten Rohstoffe zu chemischen Grundstoffen verarbeitet, die in die Produktion von Kunststoffen eingespeist werden. Der Anteil des erneuerbaren Rohstoffs liegt dann – entsprechend des Endprodukts – zwischen 20 und 100 Prozent. Der Rest besteht aus fossilem und zunehmend auch aus recyceltem Material.

Die Nutzung

„Bio“-Kunststoffe werden heute in vielen Bereichen verwendet. Die Spanne reicht von „kompostierbaren“ Abfallbeuteln über Lebensmittelverpackungen, Kaffeekapseln, Besteck bis hin zu To-go-Bechern. Die Produkte tragen ein Siegel, das die Abbaubarkeit und Kompostierbarkeit verspricht. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Die Zersetzungszeit der Beutel ist zu lang für unsere industriellen Anlagen. Laut Umweltbundesamt sind weniger als 40 % der bio-basierten Kunststoffe biologisch abbaubar. Der suggerierte Entsorgungsweg von „Bio“-Kunststoffen in der Biotonne ist leider noch ein Irrglaube.

Der Abbau

Abbaubare Kunststoffe, kompostierbare Plastikbeutel, kompostierbare Kaffeekapsel – all das gehört nicht in die Biotonne. Die Produkte sind industriell nicht sicher kompostierbar. Bioabbaubare Kunststoffe müssen sich bei 60 Grad spätestens innerhalb von 12 Wochen zu 90 % zersetzen. Die Zersetzungszeit von Bioabfall in modernen Kompostierungsanlagen ist deutlich kürzer. Das hat zur Folge, dass die kompostierbaten Beutel sich in den Anlagen nicht immer vollständig zersetzen. Die kompostierbaren Tüten mit den wertvollen biologischen Abfällen landen zudem oft in der Müllverbrennungsanlage. Das ist nicht im Sinne einer umweltfreundlichen Kreislaufwirtschaft, in der aus Bioabfall Biokompost und Grüne Energie gewonnen wird. Auch der heimische Kompost im Garten kann diese Kunststoffe nicht abbauen, da die benötigte Temperatur von 60 Grad fehlt. Das Umweltbundesamt bezeichnet Tüten aus Bioplastik deshalb als eine „Mogelpackung“.

Gib unnötigen Produkten aus Plastik und Bioplastik keine Chance!


Mach mit und hilf unserer Umwelt! Und denke dran: Kompostierbare Plastiktüten bitte nicht in die Biotonne. Bei weiteren Fragen zum Thema kontaktiere gerne unser Redaktionsteam unter info@wirfuerbio.de

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