Weniger Störstoffe im Bioabfall mit #wirfuerbio
Weniger Störstoffe im Bioabfall mit #wirfuerbio
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Weniger Störstoffe im Bioabfall mit #wirfuerbio

Seit eineinhalb Jahren kämpfen die mehr als 50 Teilnehmer von #wirfuerbio im ganzen Land für sauberen Biomüll, für saubere Komposterde und somit für den Klimaschutz. Doch nicht nur die Anzahl der Teilnehmer zeigt den großen Erfolg dieser ersten gemeinschaftlichen Kampagne in der deutschen Abfallwirtschaft. Jeder stellt sich oft die Frage, ob die Kampagne helfe, die Störstoffe im Bioabfall zu reduzieren. Die Antwortet: Ja. Die erste Bioabfallanalyse eines Teilnehmers aus der Metropolregion Hamburg hat es gezeigt.

Erste Bioabfallanalyse zeigt Erfolg

Gründungsmitglied GAB Umwelt Service wagt einen Blick in die Tonne

GAB Umwelt Service im Kreis Pinneberg ist #wirfuerbio – und das schon seit der ersten Stunde. Mit vielen Aktionen, Plakaten, Flyern, Aufklebern, Fahrzeugbeklebungen und Infoständen auf regionalen Veranstaltungen betreibt die GAB intensive Aufklärung über Störstoffe im Bioabfall und die negativen Folgen für unsere Umwelt. Die Inhalte der Biotonne wurden im Kreis Pinneberg bereits 2016 – also vor dem Start der Kampagne – untersucht. Damals musste die GAB feststellen, dass 2,33 Prozent Fremdstoffe in der Biotonne enthalten waren. Hierzu gehörten Kunststoffe wie Mülltüten und Verpackungen, aber auch Glas, Textilien, Metalle, Hygieneprodukte und alles andere, was nichts in der Biotonne zu suchen hat. Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Anforderungen der Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. war Geschäftsführer Jens Ohde klar, dass sich die Störstoffquote und vor allem der Anteil von Plastik deutlich verringern müsse. So kam es zur Idee einer gemeinschaftlichen Kampagne mit den weiteren Abfallwirtschaftsbetrieben in Schleswig-Holstein und Hamburg. Nach fast eineinhalb Jahren Kampagnenlaufzeit von #wirfuerbio hat GAB Umwelt Service die Ergebnisse einer Vergleichsanalyse erhalten.

Die Daten zeigen: Dieses Jahr befinden sind in Pinneberg nur noch 1,26 Prozent Störstoffe (vorher: 2,33 Prozent) in der Biotonne. Der Störstoffanteil ist somit um 1 Prozent geringer als vor der Kampagne. „Ein klarer Erfolg der Kampagne“, betont Jens Ohde. Besonders interessant sei es vor allem, dass sich nicht nur der Anteil von Plastik, sondern auch der Anteil von Glas und anderen Störstoffen reduzierte habe. Die Bürgerinnen und Bürger hätten vor allem ihre Einstellung und ihr Verhalten geändert. Bei früheren Tonnenkontrollen und dem Stehenlassen fehlbefüllter Biotonnen habe es große Beschwerden gegeben. Heute sehe das ganz anders aus. Jens Ohde erklärt: „Die Menschen haben Verständnis und entschuldigen sich sogar. Wir führen diese Einstellung auf die Kampagne zurück. Unsere Anrufer betonen immer wieder, dass sie die Oma auf dem Fahrzeug gesehen hätten und betonen, sich in Zukunft noch mehr um die Störstofffreiheit zu bemühen. Es ist schön zu sehen, dass wir mit Hilfe von #wirfuerbio unsere Kunden erreichen – trotz der heutigen Informationsflut.“

Die Bioabfallanalyse im Detail

Was genau steckt in der Metropolregion Hamburg in den Biotonnen?

#wirfuerbio kämpft für sauberen Biomüll und somit gegen alle Störstoffe im Bioabfall – insbesondere jedoch gegen Plastik. Aus diesem Grund interessieren uns die Ergebnisse der Plastikanteile im Biomüll besonders. Im Kreis Pinneberg fallen pro Jahr insgesamt 30.000 t Bioabfall pro Jahr an. Der Anteil von jeglichem Plastik in den Biotonnen im Kreis Pinneberg ist von 0,67 Prozent auf 0,52 Prozent gesunken. Ein großer Schritt in die richtige Richtung! Auch andere Störstoffe haben sich stark reduziert: Auch Glas, Textilien, Hygieneprodukte und inertes Material – also chemische Substanzen, die nicht oder nur in geringem Maße reagieren – werden im Kreis Pinneberg jetzt weniger in der Biotonne entsorgt. Eine Folge der veränderten Einstellung der Bürgerinnen und Bürger. „Umweltschutz beginnt zu Hause. Jeder Einzelne kann viel mehr tun als man häufig denkt. Wir sammeln Bioabfall, weil Bioabfall wertvoll ist und eben nicht verbrannt werden soll. Je mehr Bioabfall in der Biotonne, desto weniger landet in der Restmülltonne und desto weniger wird verbrannt“, erklärt Jens Ohde. Er freue sich besonders über ein Umdenken, das er in der Bevölkerung festgestellt hat: „Die Menschen begegnen uns freundlich, wenn Tonnen wegen falscher Befüllung stehengelassen werden. Sie entschuldigen sich sogar manchmal für ihre Fehlwürfe! Das ist ein vollkommen neues Verhalten. Abfallwirtschaft und Klimaschutz hängen zusammen, das haben unsere Kunden verstanden.“

In 2020 sollen Bioabfallanalysen weiterer Teilnehmer folgen. Sie werden Aufschluss darüber geben, ob die Beobachtungen und Ergebnisse in der Metropolregion Hamburg ein Einzelfall sind, oder ob der Erfolg in direktem Zusammenhang mit der Kampagne steht. Unterschiede in Bezug auf die Bioabfallqualität gibt es im Kreis Pinneberg deutliche: Im ländlichen Bereich ist die Qualität deutlich höher, der Störstoffgehalt geringer und die Mengen höher. In den Ballungszentren zeigt sich ein deutlich schlechteres Bild. GAB Umwelt Service und andere Teilnehmer gehen das Problem Geschosswohnungsbau – frei nach dem #wirfuerbio-Motto „gemeinsam mehr erreichen“ – zusammen mit der Wohnungswirtschaft an.

Ländlich oder städtisch, Einfamilienhaus oder Geschosswohnungsbau

Die Biotonne wird nicht überall gleich befüllt

Die Ergebnisse der Tonnenanalyse in Pinneberg haben gezeigt, dass Bewohnerinnen und Bewohner von Einfamilienhäusern ihre Tonnen nicht so befüllen wie Bewohnerinnen und Bewohner im Geschosswohnungsbau. Außerdem befüllen Menschen in ländlichen Gebieten ihre Tonnen anders als Bewohner im städtischen Raum: In ländlichen Gebieten wurden weniger Störstoffe in der Biotonne gefunden als im städtischen Raum. Außerdem liegt der Anteil der Störstoffe im Geschosswohnungsbau bei 1,8 Prozent und somit weit über dem Durchschnitt der Störstoffe im Kreis Pinneberg. Aus diesem Grund setzt GAB Umwelt Service mit #wirfuerbio und der Neuen GeWoGe im nächsten Schritt einen besonderen Fokus auf den Geschosswohnungsbau. Die Abfallsammelplätze an den Großwohnanalagen werden mit mehrsprachigen Aufklebern und der deutlichen Botschaft „Stop. Kein Plastik“ versehen. Zudem werden Plakate im Hausflur angehängt. Auch im Geschosswohnungsbau ist Plastik das größte Problem. Die Bewohner tragen ihren Bioabfall in einer Plastiktüte herunter; am Ende landet leider häufig nicht nur der Inhalt der Plastiktüte in der Biotonne, sondern beides. An diesem Punkt setzt die Kampagne an. Den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Anlagen soll gezeigt werden, wie sie den Bioabfall zu Hause clever sammeln können und damit aktiv etwas für unsere Umwelt tun. Mehr zum Thema #wirfuerbio im Geschosswohnungsbau lest Ihr in Kürze in einem weiteren Blogbeitrag.

Warum sich #wirfuerbio lohnt

Die Kampagne in Lübeck

#wirfuerbio hat sich in den letzten eineinhalb Jahren in ganz Deutschland ausgebreitet. Das entspricht dem Motto der Kampagne, denn gemeinsam erreichen wir mehr. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass jeder weiß, dass Plastik und andere Störstoffe nicht in den Biomüll gehören. Gemeinsam machen wir #wirfuerbio erfolgreich und sorgen für besseren Kompost für unsere Felder und schonen das Klima, indem der wertvolle Bioabfall zu CO2-neutralem Strom verwandelt wird anstatt in der Restmülltonne gelandet in einer herkömmlichen Verbrennungsanlage verbrannt zu werden. Biomüll kann eben mehr.

Auch die Entsorgungsbetriebe Lübeck sind seit der ersten Stunde Teil von #wirfuerbio. Manfred Rehberg, Leiter der Entsorgungsbetriebe Lübeck, konnte in dieser Zeit viele Erfahrungen sammeln: „Mit #wirfuerbio gehen wir einen Schritt weiter als die Abfallberatung der 1990er. ‚Crossmedial‘ ist hierbei das Zauberwort. Nur eine Fahrzeugbeklebung reicht heute nicht mehr aus, um das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Erst der Mix an Informationen aus all den verschiedenen Ansätzen führt dazu, dass jeder sich irgendwann Gedanken zu dem Thema macht.“ Die Arbeit im Bereich Online-Marketing ist ein besonderer Punkt. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck haben im Rahmen ihrer #wirfuerbio-Kampagne in Lübeck einen Film zum „Kreislauf des Bioabfalls“ produzieren lassen. Diesen tollen und sehr ausführlichen Film kann man auf Youtube anschauen. Noch viel wichtiger sei es aber, diesen Film bekannt zu machen, glaubt Manfred Rehberg. „Was nützt uns dieser Film, wenn ihn niemand ansieht? Die Zeit der Menschen ist knapp, wir haben oft nur wenige Augenblicke, um die Gunst de zu gewinnen, der tagtäglich den stetigen Reizen der Informationsflut ausgesetzt ist. Wir setzen deshalb auf eine Mehrfachwertung des Contents. Deshalb haben wir den Film im Rahmen unserer Social Media Kanäle veröffentlicht. Einzelne Beiträge führen den User immer wieder zum Film und geben ihm nützliche Hinweise für den Alltag. Diese Postings haben Mehrwert, sind authentisch und machen Abfallwirtschaft erlebbar. Das paaren wir mit dem Branding unserer Fahrzeuge und Aktionen im öffentlichen Raum. Wir sind froh, ein Teil der Kampagne zu sein und die Themen Bioabfallbehandlung und Umweltschutz so professionell präsentieren zu können und damit unseren eigenen Beitrag für eine saubere Zukunft leisten zu können.“

Auch in Lübeck werden Tonnenkontrollen durchgeführt. Die Entsorgungsbetriebe entschieden sich für ein sanftes Ampelsystem (mehr dazu im Blogbeitrag „Lübeck wirft einen Blick in die Biotonne“. Interessanterweise wurden in Lübeck hauptsächlich die grünen Tonnenanhänger mit dem Hinweis „Wow! Danke! Sie machen alles richtig“ verteilt. Von beiden anderen Exemplaren habe man noch ausreichend für die anstehende nächste Tonnenkontrolle Anfang 2020, erklärt Mirko Wetter von den Entsorgungsbetrieben. In 2020 wird in Lübeck eine Biotonnenanalyse durchgeführt und wir warten gespannt auf das Ergebnis.

#wirfuerbio in der Öffentlichkeit

Das denken die Menschen über uns

Aus der Bevölkerung außerhalb des Wirkungskreises unserer mehr als 50 Teilnehmer bekommt die #wirfuerbio-Kampagne viel positives Feedback. Unsere steigenden Followerzahlen in den sozialen Medien, der VKU-Innovationspreis 2019 und die zahlreichen bekannten Unterstützer treiben die Kampagne immer weiter an. Es gibt vereinzelt Bürgerinnen und Bürger, die fordern, dass ihre Kommunen der Kampagne beitreten. Vor wenigen Tagen hat uns die Nachricht eines Bürgers aus Oberursel erreicht, der zuvor unsere #wirfuerbio-Aufkleber bestellt hatte: „Die Zusammensetzung des Inhaltes unserer Biotonnen für 20 Mietparteien hat sich in den letzten Wochen wesentlich gebessert. Es sind wesentlich weniger Fremdstoffe, vor allem Plastiktüten im Bioabfall. […] Ich hätte nicht gedacht, dass so ein kleines Schildchen so viel bewirkt.“

Auf Deiner Biotonne klebt noch kein #wirfuerbio-Aufkleber?
Auf https://www.wirfuerbio.de/aufkleber-stop-kein-plastik/ kannst Du jetzt den neuen Aufkleber mit dem prägnanten Aufruf „Stop! Kein Plastik“ kostenlos zu Dir nach Hause bestellen. Unseren normalen Aufkleber „Trenn‘ Dich hier und jetzt von Deiner Plastiktüte“ gibt es weiterhin auf https://www.wirfuerbio.de/

#wirfuerbio – gemeinsam mehr erreichen.
Für sauberen Bioabfall, saubere Komposterde und unsere Umwelt.


Erstellt am:
Autor: Tanja Schweitzer & Anna Stahl // Redaktion #wirfuerbio
Tags: analyse, bioabfall, bioabfallbehandlung, biomüll, Biotonne, grüne energie, mülltrennung, Pinneberg, plastik, Plastikvermeidung, recycling, stötstoffe
Bildquellen: #wirfuerbio, chweitzer media gmbh, GAB Umwelt Service
Trenn' Dich von Deiner Plastiktüte.
Papier ist Trumpf!