Nicht jeder Job in der Entsorgungswirtschaft ist sichtbar. Wenn wir an die Abfallentsorgung denken, sehen wir meist als erstes die Müllwerker und Müllwerkerinnen, die früh morgens in ihren orangefarbenen Overalls durch unsere Straßen fahren und unsere Tonnen leeren. Ihre Arbeit ist essenziell – aber sie ist nur der Anfang eines langen Prozesses. Denn, sobald die Bioabfälle abgeholt sind, geht die eigentliche Verwertung erst richtig los.
In einem Kompostwerk arbeiten viele Menschen daran, dass aus unseren Küchen- und Gartenabfällen hochwertiger Kompost entstehen kann. Einer von ihnen ist der Leiter eines Kompostwerks. Ohne moderne Anlagen, den Kompostwerkleiter und sein Team gäbe es keine funktionierende Bioabfallverwertung – und keinen wertvollen Kompost, der als Dünger in die Landwirtschaft zurückgeht und dafür sorgt, dass neue Pflanzen wachsen.
Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen: Was genau passiert in einem Kompostwerk? Und wie sieht der Alltag des Menschen aus, der hier die Verantwortung trägt?
Was ist ein Kompostwerk?
Ein Kompostwerk ist eine Anlage, in der organische Abfälle – also Bioabfall aus Küchen und Gärten – verarbeitet und in nährstoffreichen, humushaltigen Kompost umgewandelt werden. Hier wird aus Abfall wieder ein natürlicher Rohstoff. Die Bioabfälle durchlaufen verschiedene Schritte wie Zerkleinerung, Rotte (ein natürlicher Verrottungsprozess durch Bakterien), Siebung und abschließend eine Qualitätskontrolle.
Damit das funktioniert, müssen die Abfälle richtig getrennt sein. Störstoffe wie Plastik, Glas oder Metall gehören nicht in die Biotonne – sie behindern den Prozess, verunreinigen den Kompost und verursachen hohen Mehraufwand.
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Der Kompostwerkleiter trägt die Verantwortung
Das Kompostwerk der Entsorgungsbetriebe in Lübeck heißt Biomassewerk und wird von Roman Gradert geleitet. Er ist so etwas wie der Dirigent eines komplexen Orchesterstücks – ohne Instrumente, dafür aber mit Maschinen und kompetenten Mitarbeitenden. Jeder hat seinen Platz im Ablauf.
Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem:
- Organisation des gesamten Betriebsablaufs
- Führung und Einsatzplanung der Mitarbeiter:innen
- Überwachung der technischen Anlagen (wie Zerkleinerer, Rotteboxen, Siebanlagen)
- Qualitätssicherung des entstehenden Komposts
- Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Umweltstandards
- Kommunikation mit Behörden, Entsorgern, Landwirtschaft und oft auch interessierter Öffentlichkeit
Kurz gesagt: Er sorgt dafür, dass alles rundläuft – sowohl technisch als auch organisatorisch.
Ein Arbeitstag im Kompostwerk
Ein typischer Tag beginnt früh. Schon am Morgen treffen die ersten LKW mit Bioabfällen aus der Region ein. Der Kompostwerkleiter kontrolliert, ob die Anlieferung den Vorgaben entspricht – schon hier zeigt sich, wie gut die Bürger:innen getrennt haben. Zu viele Störstoffe? Dann muss aussortiert werden – ein aufwändiger, oft frustrierender Prozess.
Danach beginnt die eigentliche Verarbeitung: Der Bioabfall wird zerkleinert, aufgeschichtet und durchläuft die Rottephase, bei der Mikroorganismen den Abfall in einem fest verschlossenen Bereich, der sogenannten Rottebox, zersetzen. Die Temperatur, Feuchtigkeit und Sauerstoffzufuhr müssen ständig überwacht werden. Schließlich wird der Kompost gesiebt und auf seine Qualität geprüft. Herausforderungen? Besonders Plastik ist ein Dauerthema: Rückstände von Plastikverpackungen, die fälschlicherweise in den Biomüll geworfen wurden, stören die Produktion des Kompostes und müssen aufwendig aussortiert werden. Deshalb gehören Obsttütchen, Bioplastik oder auch sogenannte kompostierbare Verpackungen nicht in die Biotonne. Der Clou: In vielen Regionen gibt es bereits abgefüllte torffreie Komposterde – auch für den eigenen Garten.
Fazit: Hinter dem Bioabfall steckt echte Arbeit
Jobs in der Entsorgungswirtschaft sind für uns alle oft unsichtbar – aber systemrelevant und wichtig. Ohne Menschen wie den Kompostwerksleiter und sein Team könnte unser Biomüll nicht in wertvolle Komposterde verwandelt werden. Ihre Arbeit verdient Respekt, Unterstützung und Wertschätzung. Und die beste Unterstützung ist: richtig trennen! Denn gute Kompostierung beginnt nicht im Werk – sondern bei dir zu Hause.
So kannst du helfen:
Damit Kompostwerke gute Arbeit leisten können, kommt es auch auf dich an! Nur mit richtig getrenntem Bioabfall kann hochwertiger Kompost entstehen. Mit diesen einfachen Tipps trägst du dazu bei:
- Nur organische Abfälle in die Biotonne – kein Plastik, keine „kompostierbaren“ Tüten, keine Windeln, Steine oder Glas.
- Bioabfälle nicht in den Restmüll werfen – sie gehören in die Biotonne.
- Am besten ganz ohne Tüte entsorgen – sonst: nur Papiertüten verwenden.
- Alle ins Boot holen – ob Kinder, Mitbewohner:innen oder Kolleg:innen: Mülltrennung geht am besten gemeinsam!
👉 Noch mehr Tipps gibt’s auf www.wirfuerbio.de oder bei deinem lokalen Entsorgungsbetrieb.


