Vom Biomüll zur Energie: So arbeitet die GAB in Kummerfeld

Aktuelles / Wissen / 23. April 2026 / Lesedauer 3 Minuten

Ein gelber Bagger vor einem riesigen Haufen Bioabfall, im Bildvordergrund liegt eine verdreckte Papiertüte und einzelne Bioabfälle.

Was passiert mit Bananenschalen, Kaffeesatz und Gartenabfällen aus der Biotonne? Im Kreis Pinneberg werden daraus grüner Strom und hochwertiger Kompost. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der GAB in Kummerfeld – und zeigen, warum Plastik in der Biotonne alles andere als harmlos ist.

Jeden Tag landen im Kreis Pinneberg Bananenschalen, Kaffeesatz und Gartenabfälle in der Biotonne. Was viele nicht wissen: Daraus wird in der Bioabfallbehandlungsanlage von GAB Umweltservice in Kummerfeld längst mehr. Aus Bioabfall entstehen hier grüne Energie und hochwertiger Kompost – ein echtes Beispiel dafür, wie regionale Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert. 

Die Anlage in Kummerfeld – Kreislaufwirtschaft aus der Region

Die GAB (Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung mbH) ist im Kreis Pinneberg mehr als ein klassischer Entsorger. Sie sorgt dafür, dass aus Bio- und Gartenabfällen der Region neue Energie und wertvolle Produkte (Komposterde) für die Böden entstehen.

Nach Angaben der GAB werden in der Anlage in Kummerfeld jährlich rund 36.000 Tonnen Bio- und Gartenabfall verarbeitet. Ein Teil der aufbereiteten Bioabfälle wird seit Anfang 2018 zusätzlich in der Vergärungsanlage energetisch genutzt. Der Bioabfall stammt aus dem Kreis Pinneberg sowie teilweise aus dem Hamburger Randgebiet.

Vom Bioabfall zur Energie

Bevor aus dem Inhalt der Biotonnen Energie entstehen kann, wird der Bioabfall von Störstoffen befreit. Das geschieht bei der GAB durch Siebung. In Kummerfeld kommt das Verfahren der Trockenvergärung zum Einsatz. Dabei wird dem Bioabfall Biogas entlockt, welches anschließend zur bedarfsgerechten Stromerzeugung in zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) genutzt wird. Dieser Strom wird dann anschließend ins Netz eingespeist und versorgt die eigene Anlage sowie zahlreiche Haushalte in der Region. Hier landen pro Jahr etwa 18.600 Tonnen Bioabfall.

Das Besondere: Der aus Bioabfall gewonnene Strom versorgt nicht nur die Anlage selbst mit, sondern wird auch ins Netz eingespeist. So wird aus Küchen- und Gartenabfall ein regionaler Beitrag zur Energiewende.

Die beeindruckenden Zahlen dahinter:

  • Grüner Strom: Pro Jahr werden rund 4.000 MWh CO2-neutraler Strom produziert.
  • Versorgung: Das entspricht dem Stromverbrauch von etwa 1.200 Haushalten.
  • Wärmenutzung: Die entstehende Abwärme hält den Fermenter auf Betriebstemperatur (55 °C).

Zweites Produkt: Kompost für gesunde Böden

Die energetische Nutzung ist aber nur die halbe Miete, denn mit der Energiegewinnung endet der Kreislauf nicht. Der Gärrest aus der Vergärung wird entwässert und gemeinsam mit weiteren störstofffreien Bioabfällen und Gartenabfällen kompostiert. Nach einer Laufzeit von nur 14 Tagen verwandelt sich der Rest des Bioabfalls in wertvollen Kompost. Im Jahr 2025 wurden so rund 10.500 Tonnen Kompost gewonnen.

Am Ende entsteht hochwertiger, gütegesicherter Kompost. Die GAB verweist ausdrücklich auf das RAL-Gütesiegel ihres Komposts, der in Landwirtschaft, Gartenbau und auch im privaten Garten eingesetzt werden kann. Außerdem ist der Kompost abgepackt auf den GAB-Recyclinghöfen erhältlich.

Damit wird aus Bioabfall ein Produkt, das dem Boden etwas zurückgibt: mehr Humus, bessere Struktur und wichtige Nährstoffe. Aus vermeintlichen Küchenresten wird so echte Wertschöpfung für die Region.

Die Herausforderung: Warum Plastik ein Problem ist

So leistungsfähig die Anlage auch ist – sie funktioniert nur dann gut, wenn der Bioabfall sauber getrennt wird. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen. Denn immer wieder landen Plastiktüten, Verpackungen, Glas oder andere Fremdstoffe in der Biotonne. Die GAB sortiert solche Störstoffe zwar bereits bei der Anlieferung, nach dem Sieben und sogar noch einmal per Hand aus. Doch je mehr Fremdstoffe im Bioabfall stecken, desto aufwendiger und schlechter wird die Verwertung.

Das Team der GAB weist darauf hin, dass immer wieder Plastiktüten oder vermeintlich „kompostierbare“ Beutel in der Biotonne landen und die Produktion von hochwertigem Kompost stören.

­­„Das Problem ist, dass sich diese Beutel in unserer Anlage nicht vollständig zersetzen.
Es bleibt Mikroplastik zurück, das wir technisch nicht mehr aussieben können“, erklärt das Team.

Die klare Botschaft lautet daher: Plastik – egal in welcher Form – hat in der Biotonne nichts zu suchen.

Die Menschen hinter der Anlage

Einer, der den Prozess jeden Tag begleitet, ist Tim Möller. Er startete als stellvertretender Teamleiter und führt heute das Team in Kummerfeld an. Zu seinen Aufgaben gehören die Organisation der Arbeitsabläufe und die Teamführung.

Auf die Frage nach dem Geruch in der Anlage reagiert er gelassen: „Man gewöhnt sich daran, auch wenn er von der Jahreszeit abhängt. Wichtig ist nur, die Arbeitskleidung nicht mit nach Hause zu nehmen“. Tim trennt seinen privaten Müll übrigens selbst penibel sortenrein – aus Überzeugung.

Sein abschließender Appell an uns alle: „Damit aus Bioabfall Energie und Kompost werden kann, braucht es vor allem eines: saubere Biotonnen – ohne Plastik und Störstoffe“.