Fakt 01
In Deutschland fällt derzeit tatsächlich nur noch rund halb so viel Restmüll an wie vor 35 Jahren. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Siedlungsrestabfällen in Deutschland für das Umweltbundesamt. Trotzdem: Viele Wertstoffe landen in der Restmülltonne, die dort nicht hingehören. Bioabfälle machen mit durchschnittlich 39 Prozent den größten Teil davon aus.
*Quelle: Umweltbundesamt (Stand 2020)
Fakt 02
In Deutschland gibt es eine breite Infrastruktur für die Bioabfallbehandlung. Laut Bioabfall-Statistik werden Bioabfälle in Kompostierungs- und Vergärungsanlagen behandelt. Insgesamt gibt es bundesweit 1.104 Anlagen zur Verwertung biologisch abbaubarer Abfälle. Dazu zählen:
- 206 Kompostierungsanlagen für Bioabfall
Hier werden getrennt gesammelte Küchen- und Bioabfälle zu Kompost verarbeitet. - 612 Kompostierungsanlagen für Grünabfälle
Diese Anlagen behandeln vor allem Garten- und Parkabfälle wie Laub, Strauch- und Rasenschnitt. - 226 Vergärungsanlagen
Dort wird Bioabfall unter Ausschluss von Sauerstoff vergoren. Dabei entsteht Biogas. - 60 kombinierte Anlagen für Kompostierung und Vergärung
Sie verbinden beide Verfahren: Erst wird Energie gewonnen, anschließend entsteht Kompost.
Im Durchschnitt bedeutet das: Etwa jede zweite kreisfreie Stadt oder jeder zweite Landkreis in Deutschland verfügt über eine Bioabfallbehandlungsanlage. Die Grundlage für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist also vielerorts vorhanden.
Fakt 03
Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland: Küchen- und Grünabfälle aus privaten Haushalten müssen getrennt vom Restmüll gesammelt werden. Die Grundlage dafür ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Städte und Landkreise müssen ihren Bürgerinnen und Bürgern also eine getrennte Entsorgung von Bioabfällen ermöglichen — am besten über die Biotonne. Für die Kontrolle der Umsetzung sind die Bundesländer zuständig.
Das Ziel ist klar: Bioabfälle sollen nicht länger im Restmüll verschwinden, sondern als wertvolle Ressource verwertet werden. Denn nur getrennt gesammelter Bioabfall kann zu Kompost, Dünger und Biogas werden.
Fakt 04
Auch wenn die getrennte Sammlung gesetzlich vorgeschrieben ist, sieht die Realität in Deutschland sehr unterschiedlich aus. Einige Städte und Landkreise setzen auf eine verbindliche Biotonne. Andere bieten die Biotonne nur freiwillig an oder nutzen Bringsysteme, bei denen Bioabfälle selbst zu Sammelstellen gebracht werden müssen.
Die Unterschiede zeigen sich deutlich in den Sammelmengen. Wo die Biotonne verpflichtend ist, wird mehr Bioabfall getrennt erfasst und weniger Restmüll produziert. Wo sie freiwillig ist, landet deutlich mehr Abfall in der Restmülltonne. Nach Angaben des NABU fallen in Regionen mit Pflicht-Biotonne pro Kopf im Schnitt etwa 34 Kilogramm weniger Restmüll an als dort, wo die Biotonne freiwillig ist. Das zeigt: Eine verbindliche Biotonne macht einen messbaren Unterschied.
Merksatz:
Wo die Biotonne Pflicht ist, landet weniger Bioabfall im Restmüll.